Backhaus

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Backhaus mit Wohnung im Münsterland

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung

Bedeutung im 19. Jhdt
  1. Backofenhaus; häufig Gemeindeeigentum
  2. Backspieker, unterschiedlich genutztes kleines Nebenhaus eines Bauerngehöftes[1]

Bäckerbrot

Auf dem Lande verbreitete sich das "Bäckerbrot" der Stadtbäcker erst allmählich im 19. und 20. Jahrhundert. Bis dahin hatten viele Höfe einen eigenen Steinbackofen, der sich in einem separaten Backhaus auf dem Hof befand.

Frische gebackenes Brot gab es nur etwa alle 3 Wochen, so war es nicht verwunderlich, dass das Brot oft hart und schimmelig war. In Westfalen bekamen alte Leute auf dem Lande noch um 1950/60 die "Knäppkes" morgens zum Frühstück eingeweicht in einer Mischung aus warmer Milch und "Muckefuck" (Kaffeersatz, Roggenkaffee), bei Kindern wurde solch ein Frühstück dann versüßt mit "braunem (Roh-)Zucker".

An den sogenannten Backtagen wurde immer eine große Menge gebacken, da Brot jede Mahlzeit begleitete. Reichte das Brot dennoch einmal nicht, lieh man sich etwas vom Nachbarn, zumal auf dem Lande die gesamte Nachbarschaft am Backtag beteiligt war.

Brotbacken

Brot und andere Getreideprodukte zählen seit Jahrtausenden zu den Grundnahrungsmitteln der Menschen. Auf dem Land fiel das Brotbacken noch bis in das 20. Jahrhundert hinein zumeist in den Bereich der häuslichen Selbstversorgung. In den Städten hingegen etablierte sich bereits im Mittelalter ein zunftmäßig organisiertes Bäckerhandwerk.

Backhäuser als Wohnung

Backhäusler: im 18. Jahrhundert dienten Backhäuser auch als Wohnung, so beispielsweise für Tagelöhner.

Bauausführung

Arbeitraum und Ofenanbau durch Trennwand geteilt, aber unter einem Dach. Außenwände des Backhauses in Fachwerk mit Flechtwerk in Lehmwandausführung oder gebranntem Steinmauerwerk. Die Überdachung des Ofenanbaus diente gleichzeitig als Trockenraum der Buusken- oder Schanzenvorräte zum Vorheizen des Backinnenraums. Der Vorraum als Arbeitsraum enthielt die Stellagen zur Ablage der Brote nach der Entnahme aus dem Backofen. Der Fußboden bestand aus gestampftem Lehm.

Ofenbefeueung

Die Schanzen zur Ofenbefeueung wurden meistens unter einem Überdach hinter dem Backhaus gelagert. Diese Reisigbuschen wurden nach Beendigung der Feldarbeit im Herbst geschlagen und entsprechend zur Ofenbefeuerung vorbereitet.

Backvorgang

Auf dem Land wie in der Stadt wurde vor dem Backen der vorbereitete Teig portionsweise in Gärkörbe gefüllt. Vor dem Backvorgang wurde nach dem jahrhundertealten Prinzip der Innenfeuerung im Backofen ein Feuer aus Reisig und kleinen Ästen, den sogenannten "Schanzen", entfacht. Hatten die Ofenmauern die nötige Backhitze erreicht und gespeichert, wurden Glut und Asche entfernt und „abgelöscht". Sodann konnte der Teig mit dem langen hölzernen Schieber (Buchenholz) in das Ofengehäuse eingeschoben und anschließend das Backwerk eingeschlossen werden, welches bei abnehmender Hitze gebacken wurde. Es entstand das „Bauernbrot“, auch „Bauernstuten“ genannt.

Der Brotteig

Das in Kornmühlen oder Quernen gewonnene Mehl wurde unter anderem zu Brot verarbeitet. Auf den Bauernhöfen wurde in der Hauptküche des Hofes der Teig für den Backofen im Backhaus vorbereitet. Das Herstellungsverfahren des Standardbrotes hat sich im Prinzip seit Jahrhunderten nicht geändert. Es dominierte das Brot aus Roggenmehl unter Zusatz von Sauerteig als Treibmittel. Der Sauerteig wurde einmal aus Mehl, Wasser und Hefe angesetzt und vergoren und dann „weitergezüchtet". Ihm wurden dann dort Mehl, Wasser und Salz zugegeben, und dann wurde er zum Brotteig durch die anstrengende Arbeit des Knetens mit der Hand verarbeitet. Es entstand der Teig für das „Bauernbrot“.

Münsterländische Spezialität

Im Backhaus konnte auch unter Beteiligung aller Frauen der Nachbarschaft der „Kraomstuuten“ (Korinthenweißbrot) gebacken werden, welchen die Nachbarinnen bei „Kraomstönnen“ (Wöchnerinnenbesuch) ihrer Nachbarin zur Mutterschaft überreichten.

Rohstoffe

  • (1568) Roggen- oder Weizenkorn, auch Dinkel

Fußnoten

  1. Quelle: Deutsches Rechtswörterbuch (DRW)
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