Friedrich August Kludt

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Friedrich August Kludt war von 1836 bis 1879 knapp 43 Jahre Lehrer in der Gemeinde Teplitz in Bessarabien.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Friedrich August Kludt, * 20.06 /01.06.1811 in Lusche bei Dombje, Polen † 12.04.1897 in Friedensfeld /Bessarabien, heute Ukraine

Abstammung

Nach eigenen Aufzeichnungen, aus seinem Notizbuch.

Dazu kommen später noch Anmerkungen und Ergänzungen aus anderen Quellen, unter anderem eine später entstandene Familien-Chronik mit etwas abweichenden Daten und neuen Namen (letzter Eintrag 1895)


Die Geschichte der Familie Kludt

Von unseren Ur-Urgroßeltern ist nur so viel bekannt, daß sie vor 200 Jahren entweder während, oder gleich nach, dem dreißigjährigen Religionskriege 1618 - 1648 von dem Rheinlande bei Köln nach Preußen auswanderten, sich in der Gegend zwischen den Städten Posen, Schneidemühl und Bromberg ansiedelten, evangelisch - lutherischer Konfession waren und die plattdeutsche Sprache redeten. Ihre nächste Marktstätte waren Rogasen, Schokken, Schönlanke und Gnesen.

Mein Urgroßvater hieß Johann Kludt und die Urgroßmutter Katharine geb. Schönfeld. Der platt oder niederdeutsche Name „Kludt“ heißt im Hochdeutschen Kloß (z.B. Erdkloß)

Meine Urgroßeltern hatten 7 Söhne und zwei Töchter, unter welchen mein Großvater Johann Kludt geboren 1743 ihr jüngstes Kind und Zwillingssohn war. Da er zwölfjährig eine Vater und Mutterlose Weise wurde, und der darauf ausgebrochene siebenjährige Krieg das Land verheerte, so war er genötigt, sich sein Brot durch Dienen bei dortigen Landleute mühsam zu erwerben.

Gegen das Ende des Krieges mußte er als Fuhrknecht die Russen nach Zorndorf, wo die bekannte fürchterliche Schlacht von den Preußen und Russen geschlagen wurde, begleiten, und kaufte von einem russischen Barbierer ein Rasiermesser, welches mein Vater noch jetzt aufbewahrt und benützt. Nach Beendigung des Krieges zogen viele Deutsche nach Polen, wo sie sich von den polnischen Edelleuten Landgüter kauften oder sonst ihr Unterkommen suchten, unter welchen sich auch die Familie Kludt befand. Und auf dem linken Weichselufer, nahe bei dem Städtchen Wrazlawek und Lubrawjetz, zwischen Brsestz und Plotz, niederließ. Im Jahre 1773 trat mein Großvater mit der Großmutter Katharina, geb. Dreher, geb. im Dorfe Ninke, 6 Meilen von Posen und 1 Meile von Rogasen, in den Ehestand. Sie nährten sich von Schafzucht und Handarbeit. Einer von den Brüdern des Großvaters starb ledig, und ein zweiter wurde Katholik, übersetzte seinen Familiennamen ins Polnische und nannte sich Grudzinski (sprich Grudschinski) zum großen Ärger meiner Großeltern. Da sie von den polnischen Edelleuten oft gedrängt wurden, so mußten sie ihren Wohnplatz öfters verlassen, kamen endlich in die Gegend der Städte Rostositz und Konin, und hatten folgende nach ihrem Alter gesetzte Kinder: Martin, Michael, Katharina, Johann (mein Vater), Maria und Christoph. Sie starben, die Großmutter 41, der Großvater 60 Jahre alt.

Martin und Michael Kludt haben in Polen bei Peterkau ihre freie Landgüter und Christoph Kludt ist Schullehrer. Mein Vater Johann Kludt wurde, nach seiner eigenhändigen Lebensbeschreibung, im polnischen Dorfe Turke bei der Stadt Konin den 3/15 April 1783 geboren und in Muchlin getauft. Sieben oder achtjährig verunglückte er aus Unkenntnis der Gefahr bei einer Mühlenschleuße in Janiszew, und ertrank im tiefen Wasser. Wer ihn gerettet hat, weiß er nicht, da er ganz allein und bewußtlos war.

Weil es seinen Eltern wegen mancherlei Unglücksfällen armselig ging, so hatte es auch mein Vater schwer, und es war, zumal in polnischen Dörfern und Wäldern an einen gehörigen Schulunterricht nicht zu denken. Er lernte bei seiner Mutter notdürftig lesen, besuchte im Winter von 1795-96 die Schule in dem deutschen Dorf Sporse und wurde 1796 in Großneudorf konfirmiert. Nach der Konfirmation erwachte in ihm ein unwiderstehlicher Drang zum Gebet und zum Lernen; er war so glücklich ein Rechenbüchlein, Peschkes Rechenschüler, zu bekommen, aus dem er sich im Rechnen und schreiben selbst übte.

Siebzehn Jahre alt trat er bei einem Schneidermeister in die Lehre, im 20-sten Lebensjahre wurde er Schullehrer, und diente als solcher von 1802-1804 in Ladna, von 1805-1810 in Lusche, von 1811 bis 1815 in Groß-Neudorf und von 1816 bis 1819 in Lipin. Im Jahre 1803 den 23. November /5. Dezember trat er mit meiner Mutter Anna Maria, geb. Will, ebenfalls bei Posen geboren den 11/23 April 1787, gestorben in II. Malojaroslawetz den 19/31 Oktober 1848, aber damals bei ihren Eltern Adam Will und Maria, geb. Milbradt, auf ihrem Landgut im Dombjer Holand bei der Stadt Dombje wohnend, in den Ehestand. Ihre Kinder waren:

Karl Wilhelm Kludt, geboren in Lusche bei Dombje den 16/23. Mai 1807, Friedrich August Kludt, geboren in Lusche bei Dombje den 20. Mai /1 Juni 1811.

In Folge von einer 1818 von der Russischen Regierung an die Deutschen in Polen erlassenen Aufforderung zu einer Ansiedlung in Bessarabien, wanderten mein Vater mit seiner und noch 4 anderen Familien Reinke, Hirsekorn, Makus, und Död aus dem deutschen Dorfe Lipin bei Kolo an der Warte, 4 Meilen von Konin und 10 Meilen von Kalisch, im Jahre 1819 nach Bessarabien aus, und übernahm gleich, in der Kolonie Leipzig angekommen, die dortige Schulstelle. Allein da uns das Bessarabische Klima gewaltig zusetzte, so entschloß sich mein Vater mit seiner Familie wieder nach Polen zurückzureisen. Auf dieser Rückreise im Herbst 1820 traf uns das Unglück, daß wir alle durch Umfallen des Wagens ganz nahe an dem Dorfe Karbun sehr verwundet wurden, so daß er genötigt war in Kischinew zu bleiben und bei dem daselbst wohnenden Fürsten Kantagusin eine Gärtnerstelle zu übernehmen. So wohnten wir im fürstlichen Garten bei Durlest und wurden heil und gesund.

Nach einem Jahr wurde der Garten verkauft, die fürstliche Familie zog in ihre Güter bei Mohilew, mein Vater nahm 1822-1823 die Gärtnerstelle des Obersten Stamo im Dorfe Horest, 1824 die in Galbin, 1825 die Schulstelle in der Kolonie Katzbach, 1827 die in der Kolonie Töplitz, 1834 wieder die in Katzbach an, und zog 1839 wieder nach Töplitz zu meinem Bruder August Kludt, welcher indessen die dortige Schulstelle angenommen hatte.

Aus dem letzten Satz geht hervor, daß viele Abschnitte aus dem Notizbuch von F. A. Kludt ursprünglich wohl von seinem älteren Bruder Karl Wilhelm stammten. Von dem ist bekannt, daß er ebenfalls eine Familien-Chronik geschrieben hat. Wo diese Chronik gebleiben ist, darüber ist bei den mir bekannten Kludt-Familien nichts bekannt.

Anmerkung von Johann Kludt

Diese Skizze meiner Herkunft und Familie ist richtig aufgesetzt, so wie ich sie meinem Sohn Wilhelm erzählte. Ich bin schon seit dem 3/15. April in meinem 74-ten Lebensjahr, habe mit meiner selig heimgegangenen Ehefrau Anna Maria, geb. Will, 45 Jahre in der Ehe gelebt; hatte 3 Kinder, diese hier genannte 2 Söhne und eine Tochter welche letztere, die Tochter, todgeboren ist. Von hier an hatten wir kein Kind mehr.

Ich habe erlebt 21 Enkelkinder und 3 Urenkelkinder. Wäre ich beim Ertrinken im Wasser geblieben, so wäre auch diese meine ganze Nachkommenschaft zugleich mit mir ertrunken, nie ins Leben gekommen und im ewigen Nichts geblieben. Ich hatte auf dem Grund des tiefen Wassers so lange als Leiche gelegen, daß da ich auf dem Ufer tot, unter heftigen Weinen meiner lieben Eltern hin und hergerissen und gewälzt wurde, schon ganz kalt und erstarrt war. Endlich wurde ich doch zur unaussprechlichen Freude meiner Eltern, wieder lebendig, konnte aber weder Hand noch Fuß bewegen, mein Vater trug mich nach Hause und ich wurde ins Bett gelegt. Wer mich hat aus dem Wasser herausgezogen, das weiß ich nicht. Doch ich weiß es: Der Herr hat’s getan. Meinen mir am Herzen liegenden Nachkommen aber, empfehle ich, wenn sie diese Rettungsgeschichte von mir lesen, dabei auch meinen Psalm zu beherzigen, den ich am 16. April 1838 aufgesetzt habe, und daß sie in diesen Psalm mit mir möchten einstimmen und Gott loben und preisen, da er so großes an uns getan hat. Schullehrer bin ich gewesen im Ausland 16 ½ Jahre, in Bessarabien 15 Jahre, sind zusammen 31 Jahre.

Johann Kludt (Vater von Karl Wilhelm und Friedrich August)

Meine Eltern.

Nachtrag zu dem vortstehenden Aufsatz meines Bruders Wilhelm Kludt.

Diese meine lieben Eltern, denen ich nächst Gott, mein Leben und so unzähliges Gute zu verdanken habe, führten und hatten, besonders in ihren letzten Jahren, ein etwas unstetes Leben, und hatten es daher, manchmal recht schwer. Sie verließen 1839 Katzbach und kamen und wohnten, sich in den Ruhestand begebend, bei mir in Töpliz, zehn Jahre weniger zwei Monate und zogen nachdem den 11. September 1848 zu meinem Bruder Wilhelm, in II Malojaroslawetz. Hier erkrankte bald darauf meine Mutter Anna Maria Kludt, geb. Will, an einer Art Lungensucht und starb den 19. Oktober 1848 im Alter von 64 ½ Jahren, und wurde den 22. Oktober Nachmittags von Pastor Pingond beerdigt. Sie hatte den Heiland schon seit längerer Zeit gesucht und kennengelernt und liebte ihn sehr und so auch Jedermann, besonders aber war sie gegen ihre Kinder, eine gar zärtlich liebende und um sie besorgte Mutter. Der Herr vergelte ihr alles im ewigen Leben. In ihrer letzten Krankheit hatte sie manche schwere Anfechtungen von der Macht der Finsternis in ihrem Innern durchzumachen und klagte mir ihre Trostlosigkeit; ich suchte sie zu beruhigen so gut ich konnte und mußte ihr dann das 14. Kap. Joh. vorlesen, was sie mit rechter Gespanntheit anhörte; und der Herr schenkte ihr in Gnaden wieder Trost und Frieden und ging so, als gebeugte Sünderin im Glauben an den Herrn Jesum, still und sanft in die ewige Heimat heim.

Von 1851 bis 1854 wohnte der Vater dann wieder, als Witmann, alleine bei uns in Töplitz, und zog nach diesem wieder von uns, bis er Ende 1857 wieder zu uns kam, aber auch nicht wieder auf eine lange Zeit, sondern er kehrte noch einmal wieder zurück zu meinem Bruder Wilhelm in II Malojaroslawetz. Jetzt erkrankte er nach einigen Wochen an einer sehr schmerzlichen Wassersucht, die von Zeit zu Zeit immer zunahm, und ihm so noch als letztes Leuterungsfeuer, zu seinem Ende dienen mußte. Er war erweckt, liebte das Gute, und suchte mit Eifer und Ernst, die Beförderung des Reiches Gottes nach seinen Ansichten, die manchmal nicht gerade die richtigsten waren, und schadete sich besonders nicht wenig durch seine lieblings Idee von der Zukunft Christi, und den unsichtbaren und zukünftigen Dingen. Und der Herr mußte ihm manche Nebenansicht niederschlagen und schmerzlich seine Teuschung wahrnehmen lassen, wozu besonders seine letzte Krankheit viel beitrug. Er starb im kindlichen Glauben an Jesum, den 29. März 1862 und wurde den 31. März von Pastor Pingond beerdigt im Alter von 79 Jahren. Beide Eltern ruhen nun dicht nebeneinander, auf dem II Malojaroslawetzer Friedhofe, dem großen Tag der Auferstehung entgegenharrend.


Ach es wär´ zum weinen
Wenn kein Heiland wär´,
Aber sein Erscheinen
Bracht den Himmel her.


Töplitz 31. Juli 1871.      August Kludt

Geschwister

Karl Wilhelm Kludt, geboren in Lusche bei Dombje den 16/23. Mai 1807,

Die beiden Brüder hatten noch eine Schwester, die ist aber tot geboren. Das Wann und Wo ist nicht überliefert.

Familie

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