Eupen und Umgegend (1879)/134

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Eupen und Umgegend (1879)
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       Eine Hutfabrik, einem gewissen Runbrule gehörig, fertigt jährlich tausend Hüte, besteht seit 26 Jahren ohne weitere Oktroy's als die Privilegien der Provinz, beschäftigt 5 Arbeiter und setzt ihre Hüte in der Herrschaft selbst, einige in Maestricht ab. Wollen und Farben bezieht der Fabrikant aus Holland und zahlt an Ausgangsabgaben dafür 2 fl. für den Werth von 100 fl., für Farbholz 3 fl., für Vitriol und Kupferwasser per 100 Pfund 2 Sols; Leim wird ans Stablo bezogen. Nach Maestricht verkaufte Hüte zahlen keine, dorthin eingeführte und nicht bereits verkaufte Hüte zahlen den sechzigsten Theil des Werthes an Abgaben.

       Eine Gerberei, bestehend aus zwei Gruben, dem Stephan Ungewald gehörig, gerbt jährlich 40 Häute für Sohlen, 150 für Oberleder und 800 Kälberhäute. Dieser Gerber arbeitet seit 31 Jahren, davon jedoch erst 4 Jahre in Eupen. (27 Jahre war er in dem Dorfe „Mimback“ (Membach) ansässig, welches zum Distrikt Eupen gehört.) Diese Gerberei erhielt am 7. November 1739 von dem Conseil des finances die Erlaubniß, jährlich 10 Tonnen Thranöl aus dem Auslande für 3 fl. per Tonne Abgaben beziehen zu dürfen, der Besitzer mußte aber einen Eid in die Hände des Bezirksrichters leisten, daß er dieses Oel nur zum Gebrauch in seiner Gerberei verwende und nicht direkt oder indirekt damit Handel treibe. Er beschäftigt nur einen Arbeiter und verkauft seine Leder in der Herrlichkeit von wo er auch Häute und sonstige Urstoffe bezieht.

       Eine Stärkefabrik, dem Neumann gehörig, besteht seit 3 Jahren fabrizirt jährlich mit 1 Arbeiter 4500 Pfund Stärke aus Waizen vom Markt von Aubel und Eupen und verkauft dieselbe in der Provinz selbst und in Aachen ohne Eingangsabgaben.

       Fabrikation oder Destillation von Kornbranntwein wird von 25 Destillateurs (Destillirmeistern) betrieben, welche jährlich zusammen ohngefähr 314 Ohm zu 100 Kannen erzeugen. Das Geschäft besteht bei Einigen durch Vererbung vom Vater auf den Sohn seit undenklicher Zeit, bei Andern seit einigen Jahren. Sie beschäftigen keine Arbeiter, verkaufen den Branntwein in der Herrlichkeit und beziehen ihr Korn von Aubel oder erhalten dasselbe von Fremden zugeführt.

       Es folgt nun eine kurze Uebersicht über die Produktion von Urstoffen im Distrikte des Bureau's von Eupen, wonach Getraide, Spelz, Roggen und Gerste in geringer Quantität, Viehfutter ausreichend vorhanden ist. Ueber die Anzahl des Rindviehes und der Schafe fehlen die Angaben. Aus zwei Brüchen von Blausteinen wird das Material fertig verarbeitet. Bei der Einfuhr in die Provinz Lüttich zahlen dieselben den sechzigsten Theil des Werthes als Eingangs-Abgaben.