Geschichte der Pfarreien des Dekanates Grevenbroich/120

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Geschichte der Pfarreien des Dekanates Grevenbroich
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Erzdioecese Koeln 1883.djvu
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vor die Thüre gesetzt haben.[1] Genug, die Protestanten blieben sechs Jahre bis zum Ende des Waffenstillstandes im Jahre 1621 im Besitz.[2] Der Junker kam an Sonn= und Feiertagen mit seinem Hausprediger Sergius und seinem Gesinde bewaffnet nach Gierath und wohnte der Predigt bei. Als aber 1621 am 9. April der Waffenstillstand zu Ende war, Spinola aufbrach und die alten von den Generalstaaten im Jülich'schen besetzten Plätze zu Gunsten Wolfgang Wilhelm wieder einnahm, da benutzten die Katholiken von Gierath die Gunst der Umstände und setzten sich wieder in Besitz der ihnen entrissenen Kirche. Die Besitznahme hatte folgenden Hergang.

Es wurde das Frohnleichnamsfest gefeiert. Die Procession von Elsen, welche damals bis an die Grenzen der Pfarre Gierath ihren Weg ausdehnte, zog in großer Anzahl, vereinigt mit den Gierathern, nach Gierath, drang während der Predigt des Sergius in die Kirche ein, jagte die Protestanten hinaus und feierte das Hochamt nach alter, katholische Weise. Von da an blieben die Katholiken im Besitz der Kirche, worin sie der westfälische Friede schützte.[3] Aus der Zeit der Reformation ist nur noch der Mitgebrauch des Kirchhofes seitens der Protestanten und der Glocken bei Beerdigungen übrig geblieben. Letzterer beruht auf



  1. Dazu haben ihm auch die protestantischen Holländer geholfen. Denn es heißt in einem Schreiben des Amtmanns Laudolf an Graf Werner Salm vom 24. September 1615: "Im Dorff Gerodt ist man der Kirchen halber streidig. Der neue Vogt hat befolhen, die Kirchen=Renth nach Grevenbroich zu lieberen, den Praedicant sollen sei, die den bestelt, selbst bezalen. Die von Klaitz haben einen statischen Reuter zu sich ghen Gierath zur Salva gardia beruffen, so den Schlüssel zur Kirchen in Verwar genommen, der Vogt hat volgends vier Soldaten auff den Krichhof gelacht, die Statischen darauf vier in die Kirch bracht; gestern seindt sechszehn soldaten, pfalzgrävische uss Düsseldorf, zu denen uss den Kirchhoff kommen, einer thät dem anderen nichts, essen und drinken zusammen, was drauß werden soll, magh die Zeit geben." (Archiv zur Dyck.)
  2. Damit stimmt, was Vogt, Scheffen und Aelteste des Kirchspiel Jüchen am 12. Mai 1646 bekunden. (Siehe das Nähere bei Jüchen.)
  3. Danach ist zu berichtigen, was von Recklinghausen in der Reformationsgeschichte über Gierath sagt: "Der Herr von Gierath," heißt es da, "hatte selbst diese Kirche reformirt und sie den Protestanten übergeben." Da aber das Capitel von Jülich das Patronat hatte, so konnte ein Herr von Gierath die Kirche nicht reformiren. einen andern Herrn von Gierath, der zur dortigen Kirche in einem Verhältnisse gestanden, gabe es nicht. Die Protestanten haben es auch nicht an Anstrengungen, wieder in Besitz der Kirche zu gelangen, fehlen lassen. Hoesch, Geschichte der reformirten Gemeinde Kelzenberg, sagt Seite 37: "Wegen Wiedererlangung der Kirche zu Gierath wurde in's Protokollbuch des Kirchenvorstandes 1654 aufgenommen: danach sind Zilles Zellessen und Mainhard im Hoff vorgefordert und abgefragt, was sie für Antwort von Hambach von Seiner Durchlaucht brächten; antworteten, daß sie bei Herrn Kanzlern Winkelhausen in Gegenwart beider Brüder ... unsere Bittschrift eingeliebert haben, und geantwortet sei, wenn wir anno 1651 in possessone gewesen wären, sollten wir sie behalten, allein müßten uns nach Düsseldorf erheben, weil zu Hambach nicht davon tractirt wird.