Name in Gedcom

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Ein sehr einfaches Wort "Name", jeder hat ihn, jeder kennt ihn, kaum jemand macht sich darüber tiefere Gedanken oder muss sich darüber tiefere Gedanken machen, denn "...das weiß man doch!". Wirklich? In der Genealogie ist das nicht immer so einfach wie es auf den ersten Blick erscheint.

Im Zusammenhang der vom Verein für Computergenealogie initierten Gedcom-Liste, einer Arbeitsliste, in der sich schon seit November 2009 25 deutschsprachige Autoren von Genealogieprogrammen darüber verständigen, wie der Gedcom-Standard 5.5.1 als universelles Hilfsmittel zum Austausch von genealogischen Daten zu verstehen, zu interpretieren und anzuwenden ist, entstand ein Verständnisproblem, wie der in deutschen Urkunden häufig verwendete Begriff des Rufnamens zu verstehen, programmtechnisch richtig zu verarbeiten und wie er in andere Sprachen, z.B. ins Englische zu übersetzen sei. Dabei wurde deutlich, dass es noch eine ganze Reihe anderer Namen gibt, deren Bedeutung wohl jeder zu verstehen meint, die aber schon im deutschen Sprachraum höchst unterschiedliche Bedeutung und Gewichtung im täglichen Leben haben können.

Diese Seite soll dazu dienen, die gewonnenen Erkenntnisse festzuhalten, zu präzisieren und last not least auch die Genealogen anderer Länder mit diesen i.d.R. deutschen Gebräuchen und Gewohnheiten vertraut zu machen.

  • Nachname: Gedcom 5.5.1-Tag = SURN (Übersetzung englisch: surname, dänisch: Navn, französisch: Nom, spanisch: Apellido) Seltener wird umgangssprachlich auch der Begriff Zuname verwendet, meist in der Verbindung "Vor- und Zuname". Als Synonym wird oft der Begriff Familienname gesagt/benutzt, um damit die ganze große Gruppe gleichen Namens zu bezeichnen, Abk.: FN.
  • Familienname: Gedcom 5.5.1-Tag = SURN (Übersetzung englisch: family name, dänisch: Navn, französisch: Nom, spanisch: Apellido)
Nachname und Familienname sind heute Synonyme. Gleiches gilt für die englischen Begriffe "Surname", "Last Name" und "Family Name". Historisch war dem nicht immer so. Obwohl uns dies bei der täglichen Benutzung nicht bewusst ist, stammen die Bezeichnungen "Vorname" und "Nachname" aus ihrer Position im ausgeschriebenen ganzen Namen. Gleiches gilt für die Bezeichnungen "first name" und "last name". Je nach Kulturkreis war früher der Nachname nämlich nicht immer für die ganze Familie gleich. So hieß in Gebieten mit patronymischer Namensgebung (z.B.: Friesland) der Sohn von "Anders Petersen" dann auch "Hannes Andersen". Hier sind "Anderson" und "Peterson" beides Nachnamen, aber nicht wirklich Familiennamen. In einigen anderen Kulturen ist es üblich, den Familiennamen zuerst zu nennen, trotzdem würden wir den ererbten Namen als "Nachnamen" bezeichnen.
  • Ehename:
Je nach Zeitpunkt und Kulturkreis gibt es eine Vielzahl von Regelungen, die den Namen der Eheleute und ihrer Kinder regelten. Richtig ist, dass Eheleute in Deutschland vor 1998 den gleichen Familienamen tragen mussten - Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. In Russland hingegen ist es quasi unmöglich, dass Eheleute einen identischen Nachnamen tragen (s. Reissa Gorbatschowa). Der Begriff "Ehename" bezeichnet insofern nur in einem gewissen geographischen und historischen Kontext denjenigen Namen, den beide Eheleute direkt nach der Hochzeit führen. Da die damit verbundene Namensänderung lediglich eine der beiden Personen betrifft, und deren Dauer in keinem direkten Zusammenhang zur Dauer der Ehe steht, ist es genealogisch gesehen kein "Ehename", sondern eine Namensänderung einer Person aufgrund und zum Zeitpunkt der Hochzeit. Der andere Ehepartner ist hiervon nicht betroffen.
Nachdem in Deutschland das Kindschaftsrechtsreformgesetz (KindRG) in Kraft trat (01.07.1998), bekommt im Namensrecht der Kinder der Ehename Bedeutung. Möglich ist jetzt, dass die Eheleute bei der Eheschließung keinen gemeinsamen Ehenamen bestimmen. Dann trägt jeder Ehegatte den zur Zeit der Eheschließung geführten Namen weiter. Beispiel: "Frau Müller und Herr Schmidt" bleiben "Frau Müller und Herr Schmidt". Führen die Eheleute keinen gemeinsamen Ehenamen, müssen sie sich im Falle der Geburt eines gemeinsamen Kindes entscheiden, welchen der derzeit von den Eltern geführten Namen der Nachname (= Geburtsname) des Kindes werden soll.
  • Spitzname: Gedcom 5.5.1-Tag = NICK (Übersetzung englisch: nickname , dänisch: Kaldenavn , französisch: , spanisch: )
Der Duden gibt als Synonyme für Spitzname an: Beiname, Ekelname, Neckname, Scherzname, Spottname, Ulkname; (ugs.): Uzname; (nordd.): Ökelname; (Sprachw.): Übername. Alle diese Begriffe werden in der Genealogie unter dem Begriff 'Spitzname' geführt, wie auch z.B. Kurzname -> Fritz für Friedrich oder Kosename -> Tamaritschka für Tamara. Synonyme zu Nickname.
  • Nickname: Gedcom 5.5.1-Tag = NICK (Übersetzung englisch: Nick's name, dänisch: ?, französisch: ?, spanisch: Nick Nombre) Synonyme zu Spitzname.
Nickname (Neckname) und Spitzname werden im Sprachgebrauch kaum unterschieden. Nickname ist als Anglizismus für beide Bezeichnungen anzusehen.
  • Rufname: Gedcom 5.5.1-Tag = _RUFNAME (Übersetzung - Ein englischer Begriff hierfür existiert nicht.: "emphasized single given name as registered with german authorities to be used as shorthand wherever specifying the full name is not explicitly required by law" (bei deutschen Behörden registrierter, einzelner, betonter Vorname, der dort als Abkürzung genutzt werden darf, wo die Angabe des vollen Namens nicht zwingend durch das Gesetz erforderlich ist), dänisch: , französisch: , spanisch: )
In deutschen Geburtsurkunden einer der Vornamen, der zur Hervorhebung unterstrichen wurde. z.B. Klaus Wilhelm Max Vahlbruch
  • Vorname: Gedcom 5.5.1-Tag = GIVN (Übersetzung englisch: Given name, dänisch: Fornavn, französisch: Prénom, spanisch: Nombre)
  • Künstlername: Gedcom 5.5.1-Tag = (nicht definiert) (Übersetzung englisch: , dänisch: , französisch: , spanisch: )
siehe: Aliasname
  • Ordensname: (Übersetzung englisch: religious name, dänisch: ?, französisch: ?, spanisch: ?)Der Ordensname ist der auch gesetzlich geschütze Name, der beim Eintritt in einen Orden angenommen wird und an die Stelle des bürgerlichen Namens tritt. Er ist mit dem Künstlernamen vergleichbar, nicht aber gleichzusezten. Er wird sogar in Personlpapieren oder den Reisepass eingetragen.
  • Hausname: Gedcom 5.5.1-Tag = (nicht definiert) (Übersetzung englisch: , dänisch: , französisch: , spanisch: )
Hausnamen sind eher umgangssprachliche Namen für einzelne Gebäude, und insbesondere dort beliebt, wo viele Einwohner eines Ortes die gleichen Nachnamen tragen. So wurde bspw. jemand "Schostersch" genannt, weil die Familie in einem Haus wohnte, das zuvor einmal als Werkstatt für einen Schuster gedient hatte. Bisweilen haben die Träger eines solchen Namens diesen auch dann beibehalten, wenn sie danach in ein anderes Haus umzogen. Der Name ist nicht zwingend an das Gebäude gebunden und ist auch eher nicht in Kaufurkunden zu finden. Dennoch ist er sehr geläufig und in der jeweiligen Region bekannt, folglich auch in Schriftstücken, z.B. Briefen zu finden. Hof- und Hausnamen sind von der Natur her ähnlich, aber nicht identisch.
  • Hofname: Gedcom 5.5.1-Tag = (nicht definiert) (Übersetzung englisch: , dänisch: , französisch: , spanisch: )
Hofnamen sind meistens aber tatsächliche Namen von Anwesen (im Sinne von "estate name"), die auch in Urkunden auftauchen. Hof- und Hausnamen sind von der Natur her ähnlich, aber nicht identisch.
  • Stammname: Gedcom 5.5.1-Tag = (nicht definiert)(Übersetzung englisch: , dänisch: , französisch: , spanisch: )
Wenn deutsche Ahnenforscher von "Stammnamen" sprechen, so meinen sie eben nicht den Stamm der Schoschonen sondern einen vereinheitlichten Namen einer Linie. Insofern ist "harmonized name" oder "unified name" eine sinnvolle Übersetzung. Auf die väterliche Vererbung ist dieser keineswegs beschränkt, insofern ist alles im Sinne von "paternal" unpräzise. Die Harmonisierung von Namensschreibweisen ist streng genommen kein Name für sich, sondern eine Umschreibung der Schreibweise, vergleichbar der Romanisierung oder der Phonetisierung. z.B.: Vahlbruch für Fahlbruch, Vahlbrauck, Vahlbrok, Vahlbruch, Valbruck,etc.
  • Sippenname:
Meist wird "Sippenname" als Synonym für "Stammname" verwendet, oft aber auch um eine Gruppe miteinander verwandter Personen zu bezeichnen, unabhängig von deren tatsächlichen Nachnamen. Eine präzise genealogische Definition für "Sippe" im allgemeinen, und für "Sippenname" im speziellen ist nicht bekannt. "Sippe" bezeichnet meist eine Großfamilie, also inklusive dem Teil, der andere Familiennamen trägt, aber dennoch verwandt oder verschwägert ist. Auch in anderen Verwendungen (z.B. OSB vs. OFB) wird der Begriff "Sippe" langsam von "Familie" verdrängt.
  • Aliasname: Gedcom 5.5.1-Tag = (Übersetzung englisch: also known as, dänisch: , französisch: , spanisch: )
Alias ist ein Oberbegriff für einen parallel zum eigentlichen Namen geführten Zweitnamen. Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum ein Alias geführt wurde oder wird. Künstler sind nur eine Gruppe von Personen, die sich einen solchen zulegen, dazu gehören aber auch andere Gruppen wie Buchautoren, Journalisten oder etwa Stasi-Mitarbeiter - also Pseudonyme und Decknamen aller Art. Als englischer Begriff (bzw. hier eher Phrase) steht hierfür "also known as", kurz "aka". (auch bekannt als).
  • "genannt"-Name: Gedcom 5.5.1-Tag = (nicht definiert)
Als Besonderheit, mit vielen möglichen Gründen der Entstehung, gibt es noch sogenannte "genannt"-Nachnamen, die in keiner Beziehung zu dem bewohnten Gebäude stehen muss. Die Unterscheidung z.B. zum Spitznamen ist oft sehr schwer zu treffen, aber der Zusatz "genannt" kommt häufig in Schriftstücken vor.
  • Mädchenname: Gedcom 5.5.1-Tag = (nicht definiert) (Übersetzung englisch: Maiden name, dänisch: Pigenavn, französisch: Nom de jeune fille, spanisch: Nombre de soltera)
Nachname der Frau vor der ersten Ehe, oft auch als Geburtsname bezeichnet. Nachdem heute auch Männer bei der Eheschließung den Familiennamen der Frau annehmen können, ist die Einengung auf weibliche Personen als Mädchen-name nicht mehr hinreichend.
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