Liesborn/Heinrich Terhaar (1866 – 1932)

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Heinrich Terhaar

Heinrich Terhaar war Lehrer in der Liesborner Schule in Suderlage.

Literatur



Nachruf zu seinem Tod

Heinrich Terhaar
Der Totenzettel

von Klaus Luig

Am 12. März 1932 verstarb in Bad Waldliesborn eine außergewöhnliche Persönlichkeit: Lehrer Heinrich Terhaar. Am 25. November 1866 wurde er als Sohn des Lehrers Hermann Terhaar in Herzfeld geboren. Nach dem Besuch der dortigen Volksschule bereitete er sich im Selbststudium auf die erste Lehrerprüfung vor, die er als Externer im Alter von 18 Jahren am Lehrerseminar in Warendorf bestand. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Börnste und Daldrup bei Dülmen erhielt Heinrich Terhaar im Jahre 1887 die Lehrerstelle an der einklassigen Bauerschaftsschule Liesborn-Suderlage (heute: Bad Waldliesborn). Diese Lehrerstelle verwaltete er 38 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1925. Lehrer Heinrich Terhaar war in diesen 38 Jahren nicht nur ein ausgezeichneter Lehrer und seinen vielen Schülern ein väterlicher Freund, sondern auch ein unermüdlicher Heimatforscher, der sich insbesondere mit der Geschichte des Klosters Liesborn beschäftigte, die ihn bis zu seinem Tode nicht mehr losließ. Darüber hinaus unterstützte er in besonders tatkräftiger Weise den ersten Seelsorger der Liesborner Bauerschaft Suderlage beim Aufbau des Pfarrektorats Waldliesborn. Er verfaßte und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zur Geschichte des Frauenstiftes Liesborn (800-1131), zur Geschichte der Abtei und Pfarre Liesborn (1131-1803) und zur Geschichte der Kapelle zur Klüse im Lipperbruche (1466-1919). Mit der Entstehung der sogenannten „Hünenburg an der Glenne"' (oft fälschlicherweise als Römerlager bezeichnet) setzte sich Terhaar in mehreren Artikeln und Beiträgen auseinander.


Auch auf dem Gebiet der Ahnenforschung alteingesessener Liesborner Bau-ernfamilien machte Terhaar sich einen Namen. Von vielen Liesborner Höfen erstellte er nach gründlichem Studium der Kirchenbücher Stammbäume, die oft über 300 Jahre zurückreichen. Da für all diese Forschungsarbeiten die Kenntnis der lateinischen Sprache Voraussetzung war, erlernte er sie im Selbststudium. Beispielhaft ist auch die Anlage und die Führung einer Schulchronik der „Alten Schule", in der Terhaar über die Geschichte der Bauerschaft Suderlage berichtet, in der er über die interessante Gründung der Schule schreibt, in der er alle Kriegsveteranen des Schulbezirkes aufführt, in der er die Namen Liesborn und Suderlage deutet, in der er Sagen aus dem Schulbezirk niederschreibt sowie Siedlungs- und Hörigkeitsverhältnisse erläutert. In einem Nachruf zu seinem Tode würdigt Dr. Grothues die Persönlichkeit Terhaars im März 1932 so: „Aber nicht nur seine eingehende Kenntnis der Geschichte war ungewöhnlich, ungewöhnlich waren auch seine besonderen Kenntnisse auf zahlreichen anderen Wissensgebieten. Ob es sich um kirchliche Dogmatik, um Politik, um Geographie, um die Naturwissenschaften, insbesondere um Physik, Chemie und Botanik, ob es sich um die höhere Mathematik, um Astronomie oder um Waffenkunde handelte, überall besaß er ungewöhnliche, selbst die Einzelheiten umfassende Sonderkenntnisse. Ja, man darf zusammenfassend ohne Ubertreibung sagen, daß dieser schlichte, einfache Landlehrer ein solch umfangreiches, tiefgründiges und verständnisvolles Allgemeinwissen besaß, das zweifellos dem Wissen mancher unserer Geistesgrößen würdig gewesen wäre. Viele Gelehrte von Ruf aus allen Fakultäten haben im Laufe der Jahre lange Stunden bei Lehrer Terhaar gesessen und in stets wachsender, grenzenloser Hochachtung und Bewunderung diese Tatsache feststellen müssen. Dabei wirkte er mit seinem Wissen niemals aufdringlich, sondern er legte bei allen Gesprächen und Unterhaltungen eine auffallende Bescheidenheit an den Tag, die nur einer wirklich tiefen Geistesbildung eigen ist."


Eine besonders tiefe Freundschaft verband Terhaar mit dem ersten Seelsorger Bad Waldliesborns: Rektor Franz Beermann (1888-1966). Über ihre erste Begegnung schreibt Beermann in seinen Lebenserinnerungen: „Kaplan Beckhoff führte mich herein, in das erste Haus, das zu meinem Pfarrbezirk gehören sollte, zum Lehrer Heinrich Terhaar, bei dem er noch auf der Schulbank gesessen hatte. Wie liebevoll war da gleich meine Aufnahme seitens des Lehrers und seiner Schwester Anna!"


Der Junggeselle Terhaar, dem seine Schwester Anna den Haushalt führte, legte auch den ersten finanziellen Grundstock für den Bau des Waldliesborner Pfarrhauses (erbaut: 1924/25). Nach seiner Pensionierung im Jahre 1925 nahm Rektor Beermann Lehrer Terhaar und seine Schwester Anna in das Pfarrhaus auf. Sieben Jahre - von schwerer Gicht gequält, doch weiterhin wissenschaftlich arbeitend - konnte Terhaar hier noch im Ruhestand verbringen, bis er im März 1932 nach nur viertägigem Krankenlager verstarb.


siehe auch Nachruf zu Heinrich Terhaar



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