Topographia Ducatus Montani (1715)/086

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Topographia Ducatus Montani (1715)
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öffters die Bauern dasjenige, was von rechtswegen 1 1/2 Stundt zu nennen ist, nur vor eine Stundte halten, solches aber kompt daher, dieweilen ein Bauer, welcher des Gehens gewohnt, oder auch den Tag über sich noch nicht müdt gegangen hat, nach einer halben Stund wenig fraget und daher solche gleichsam zugiebt.

Oeffters findet sich auch, daß zwey von einander entlegene Oerter von den Leuten, die darin wohnen, ungleich weit geschäzt werden, als es wäre ein Hoff oben auf einem Berg, und auch ein Hof unten im Thal gelegen, diejenigen nun, welche nach dem Hof unten im Thal gehen wollen, würden denselben nur etwa 3/4 Stundt weit von sich abschäzzen, weilen sie den Berg hinab gehen müssen; hingegen diejenige, welche im Thal wohnen und nach dem Hof auf dem Berg liegendt zu gehen haben, würden desselben Abgelegenheit etwa eine starcke Stundt zu seyn achten, dieweilen sie den Berg hinauf, und folglich langsamer gehen müssen.

Umb aber in solchem Fall die rechte Weite dergleichen Oerter auszusprechen, muß mann das Mittel zwischen beyden nehmen, als, der eine spräche, daß die Oerter eine Stundt von einander, der andere aber fagte, 1 1/2 Stundt, müste man zwischen beyden das Mittel rechnen nemlich 5/4 Stundt, welches auch die horizontale schnurgrade Linie von einem Ort zum andern beynah austrucken wirdt. Wenn ich sagen solte, daß nirgends nichts vergessen worden, sondern alle Aembter ohne einigen geringsten Fehler hierin präsentiret wären, würde ich die Unwahrheit sprechen, dieweilen solches zu thun fast ohnmöglich gewesen, sintemahl diejenige Leut, die mich führen müssen, öffters aus Unwissenheit (absonderlich wann sie an die Grenzten eines Kirchspiels oder Ambtes gekommen sindt) einige Höfe anzuzeigen nicht gewust, theils sindt etliche solcher Höfe zu melden vergessen worden, weilen gedachte Leut durch die lange mühsame Arbeit verdrießlich, folglich nachlässig, davon geeilet haben. Solche aber und dergleichen Kleinigkeiten kann der Leßer, der selbiger Orten (wo dergleichen etwa eingeschlichen) bessere Kundtschafft uud Nachricht hat, leichtlich wissen zuersezzen.

Viele Nahmen der Höf und Dörfer sind gleichfals nicht alle so angedeutet, als wie sie zuweilen geschrieben werden, dieses aber hat eben so wenig seyn, als leztgemeltes gemeidet werden können, dieweilen ich gar selten Leute umb mich gehabt, welche lesen oder schreiben gekont, weßhalben gedachte Nahmen nach der Leute wunderlichen Aussprach auch austrücken müssen. Ich habe erfahren, daß