Ziegelei Danielczick aus Lasdehnen/Haselberg

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Luftbild Haselberg von West nach Ost, rechts: Tilsiter Straße, in Verlängerung Hauptstraße und Schillfelder Straße. Ortsmitte: Marktplatz, nach links Mühlenstraße, zur Mühle Brachvogel führend, weiter oben die Brückenstraße mit Brücke über den Ostfluss, links Gut Wunderlich, Mitte oben Jodeglinis, rechts Ziegelei Danielczick, s.a.: Der Grenzkreis Schloßberg/Pillkallen, Georg Schiller, ISBN 3-7921-0303-6. Archivbild Inge Porstmann, 08.02.2014 Kraemer
Vergößerung 1


Inhaltsverzeichnis

Die örtliche Lage der Ziegelei wird in das nebenstehende Luftbild noch eingetragen, 09.08.2016 Günther Kraemer
Den folgenden Bericht übersandte an die HB-Redaktion[1] Dr. Konrad Murr[2], geb. 1931 in Wien. Er ist der Neffe von Eva Hartmann, geb. Danielczick. Murr ging zeitweise in Haselberg zur Schule. Der Bericht ist im „Schloßberger Heimatbrief“ Nr. 49, Jahrgang 2010, Seite 61 bis 63 und im Ostpreußenblatt (PAZ[3]), unter Heimarbeit, am 15. Januar 2011 auf der Seite 19 erschienen.

Ziegel aus Lasdehnen - ein Rückblick

Nachdem am Ostrand von Langenfelde, Kreis Schloßberg (heute Beikino im Rayon Krasnoznamensk) unter russischer Leitung in den Jahren 2008 bis 2009 eine Ziegelei erbaut wurde (siehe HB46 von 2008 und HB47 von 2009) sollen die folgenden Ausführungen ein Rückblick sein auf die Ziegelei, die bis zum Ende des 2. Weltkrieges in Lasdehnen/Haselberg, bestand.

Der Rückblick stützt sich auf handschriftliche Aufzeichnungen von Eva Danielczick, der jüngsten Tochter des Ziegelei- und Gutsbesitzers Wilhelm Danielczick (1864-1935). Er ehelichte am 26. 09. 1898 Anna Gauer (1873 - 1940). Der Rückblick stützt sich weiterhin auf Familienunterlagen, auf Erinnerungen des Enkels Konrad Murr und auf Hinweise von Haselberger Bürgern.

Wilhelm und Anna Danielczick Lasdehnen/Haselberg ,
Aufnahme vor 1935, Bildarchiv Ch.-Jörg Heidenreich
Gutshaus Danielczick, Schillfelder-Straße 22, Lasdehnen/Haselberg, Maler Burgschat,
Bildarchiv Ch.-Jörg Heidenreich

Die Ziegelei, ein ursprünglich sehr veralterter Betrieb, wurde von meinem Großvater Wilhelm Danielczick 1905 erworben, nachdem er sich, von Königsberg ausgehend, in der Provinz Ostpreußen nach einem geeigneten Projekt umgesehen hatte. Ausschlaggebend für die Wahl zur Lasdehner Ziegelei war u. a. die Tatsache, dass die Ziegelei mit einem stattlichen Gutshof von ca. 500 Morgen (125 ha) verbunden war. Die Großeltern wollten ein Industriegut erwerben, um möglichst krisenfest zu sein. „Gebaut wird immer", war die Devise meines Großvaters. Das galt insbesondere für die verstärkte Bautätigkeit nach dem 1.Weltkrieg in den von den Russen zerstörten Gebieten Ostpreußens, was die weitere Entwicklung der Ziegelei in Lasdehnen sehr begünstigte; denn allgemein hatte die Ziegelindustrie vor dem 1. Weltkrieg um ihren Bestand schwer zu kämpfen.

Der Lehm wurde vom eigenen Acker abgebaut. Große Teile Land wurden dazu gepachtet. Die Ziegelei wurde von Grund auf renoviert und es entstanden neue, große Gebäude. Auf einem neuen Schornstein, so erinnerte sich der Haselberger Gerhard Schmidt, habe er einen Trompeter gesehen, der dort oben Trompete geblasen habe.

Ein Aufzug zog die Loren von der Abbausteile in der Lehmgrube in das 1. Stockwerk des Ziegeleigebäudes. Dort wurde das Rohmaterial in eine Fertigungsmaschine geschüttet. Durch den Einsatz der Dampfmaschine war es möglich, Ziegelsteine maschinell herzustellen. Wesentlich war auch die Erfindung der Strangpresse, bei der ein schneckenartiges Gewinde den Lehm durch ein rechteckiges Mundstück presste. Der Abschneider, ein gespannter Draht, trennte den Lehm, nun in Ziegelform, auf gleiche Längen ab.

Die jährliche Produktion betrug nach dem 1. Weltkrieg gemäß der im Jahre 1919 gemachten Angaben des ostpreußischen Arbeitgeber-Bezirksverbandes für das Baugewerbe zu Königsberg/ Pr. 800.000 Ziegelsteine und 125.000 Dachpfannen. Somit gehörte die Ziegelei in Lasdehnen zu denen mittlerer Größe. Da viele Bauern die Ziegel nicht selbst abfahren konnten, hielt das Gut speziell dafür mehrere Gespanne in Diensten. Einem unzufriedenen Kunden, so berichtet eine Anekdote aus dem Familienkreis, habe mein Großvater geantwortet: „Meine Ziegel können sie vom Kirchturm hinunter werfen! Sie gehen nicht kaputt!".

Wie die Bezahlung der Leute vor sich ging, schildert Eva Danielczick in ihren handschriftlichen Aufzeichnungen: „Auf dem Ziegeleigelände hatten wir ein kleines Bürohaus. Dort war ein Schalter, zu dem die Leute namentlich aufgerufen wurden. Vater saß an diesem Schalter und der Ziegeleimeister neben ihm, vor sich auf einem Tisch ausgebreitet das Geld, die Markstücke und Pfennige fein säuberlich gestapelt. Für jeden wurde der Verdienst abgezählt. Soviel ich mich erinnern kann, betrug die höchste Summe 50 Mark. Soviel verdienten aber auch nur die Mitarbeiter der Ofenkolonne!" Werner Radtke, ein Mitarbeiter, erinnert sich, dass vor ihm bereits sein Großvater, sein Vater und auch seine Mutter in der Ziegelei gearbeitet haben.

Zur Erntezeit ruhte die Ziegelei für einige Tage. Zur Ziegelei gehörte auch eine kleine Zementwaren-Fabrikation. Später übernahm Sohn Werner die Verantwortung für die Ziegelei. Für das Geschäftsjahr 1937 wurde gemäß der Umsatzsteuererklärung ein Umsatz von 170.628,00 RM (Reichsmark) erzielt.

Im Oktober 1940 musste der Ziegeleibetrieb stillgelegt werden, weil der Inhaber, Werner Danielczick, zum Heeresdienst eingezogen wurde. Die Ziegelei wurde dann aber unter russischer Regie wieder betrieben, jedoch gab es von November 1946 bis Juli 1947 zunächst Schwierigkeiten, Heizmaterial aus Tilsit heranzuschaffen. Es fehlten die geeigneten Transportmöglichkeiten. Der Betrieb lief dann bis 1948.

Eine weitere Ziegelei im Kreis Schloßberg, nun Rayon Krasnoznamensk, hat¬ten die Russen im März 1947 in Trappen betriebsbereit gemacht. Die Ziegelei in Schloßberg wurde nicht wieder aufgebaut. Alle Ziegeleigebäude der Ziegelei Danielczick in Haselberg wurden später, mit Ausnahme des kleinen Verwaltungsgebäudes, abgetragen. Zur Gewinnung von Baumaterial wurden die Ziegel zu Steinbruch verarbeitet. Die Maschinen der Ziegelei verkauften die Russen in das benachbarte Litauen, wie eine russische Einwohnerin auf Befragen zu berichten wusste.

Die Haselberger Ziegelei existiert heute nur noch in der Erinnerung. Auf dem Ziegeleigelände sind heute keine Spuren der einstigen Betriebsamkeit mehr zu finden!

Dampf-Ziegelei von Wilhelm Danielczick in Ladehnen/Haselberg

Das Ziegeleigelände lag rechts an der Schillfelder-Straße am Ortsausgang von Haselberg in Richtung Schillfelde (im Luftbild Haselberg in der Bildmitte am rechten Rand).

Dampf-Ziegelei Danielczick, Schillfelder-Straße, Lasdehnen/Haselberg; heute Rayon Krasnoznamensk, Russische Föderation, Aufnahme von 1930, Bildarchiv Werner Radtke
Belegschaft der Dampf-Ziegelei Danielczick, Schillfelder-Straße, Lasdehnen/Haselberg; heute Rayon Krasnoznamensk, Russische Föderation, Aufnahme von 1926, Bildarchiv Werner Radtke
Belegschaft der Dampf-Ziegelei Danielczick, Schillfelder-Straße, Lasdehnen/Haselberg; heute Rayon Krasnoznamensk, Russische Föderation, Aufnahme von 1934, Bildarchiv Werner Radtke
Anzeige der Ziegelei Danielczick im Einwohnerbuch Kreis Pillkallen 1930[4], Seite 312, Scans Martin Kunst, 14.11.2011
Anzeige der Ziegelei Danielczick im Kreisadreßbuch Pillkallen 1937[5], Seite 120, Scans Martin Kunst, 03.07.2011

Bilder der früheren Besitzungen des Ziegelei- und Gutsbesitzer Wilhelm Danielczick

Das Gehöft lag rechts an der Schillfelder-Straße am Ortsausgang von Haselberg in Richtung Schillfelde.

Blick nach Norden in den Innenhof, links das Insthaus, mitte Rückseite des Wohnhauses, rechts das Geflügelhaus; Aufnahme nach 1945, Bildarchiv Werner Radtke
Blick nach Norden in den Innenhof, links im Vordergrund der Kuhstall, dahinter das Insthaus, mitte das aufgestockte Wohnhaus; Aufnahme ca.1990, Bildarchiv Werner Radtke
Blick nach Süden, im Vordergrund das Milchhaus, dahinter der Schweinestall; Aufnahme vor 1993, Bildarchiv Werner Radtke
Blick nach Süden, Giebel vom Insthaus; Aufnahme vor 1993, Bildarchiv Werner Radtke
Blick nach Nord-Ost, auf das Insthaus; Aufnahme 1993,
Bildarchiv Werner Radtke

Ziegeleien im Kreis Schloßberg

von Franz Mietzner, aus "Der Kreis Schloßberg", Holzner Verlag Würzburg, 1962, Seite 212

Beschreibung der Situation vor 1945.

Die Ziegeleien als älteste Industrien entstanden bald nach der Besiedlung der „Wildnis" Wo geeignete Lehmvorkommen vorhanden waren, stellte man Ziegel mit einfachen Formen her und trocknete sie an der Luft. Nach und nach wurden die Formen verbessert und die Ziegeln in Feldöfen gebrannt, zumal auch „Ziegelbäcker" angesiedelt werden konnten. Staatsdomänen und später auch einige größere landwirtschaftliche Güter richteten Ziegeleien ein, um vornehmlich den eigenen Bedarf an Baustoffen zu decken. Diese Gutsziegeleien waren stets Nebenbetriebe der Landwirtschaft und erhielten ihre Arbeitskräfte fast ausschließlich von den Gütern, so daß die Ziegeleien in der arbeitsreichen Zeit — z. B. während der Saatbestellung und der Ernte — still gelegt werden mußten. Da sie in den Wintermonaten ohnehin nicht arbeiten konnten, entschloß man sich nach und nach dazu, die Ziegeleien zu verpachten oder unabhängig vom landwirtschaftlichen Gutsbetrieb als besonderen Betrieb zu führen. Einige Gutsziegeleien waren inzwischen ohnehin still gelegt, weil keine größeren Lehmvorkommen mehr vorhanden waren.

Erst jetzt entwickelten sich die Ziegeleien zu einem besonderen Industriezweig Ihre Herstellungsarten wurden verbessert, die Produktion anderer Ziegelarten wie Dachziegel, Drainageröhren und Deckensteine aufgenommen, so daß nicht nur der Bedarf im eigenen Ortsbereich, sondern darüber hinaus in der weiteren Umgebung gedeckt werden konnte. Nachdem zu Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Ziegeleien der Dampfbetrieb eingerichtet worden war und nach dem ersten Weltkrieg weitere Modernisierungen notwendig erschienen, mußten nochmals einige Gutsziegeleien stillgelegt werden. Andere waren durch den Russeneinmarsch ganz oder teilweise vernichtet und nicht mehr aufgebaut worden, so daß zur Zeit der Vertreibung nur noch folgende Ziegeleibetriebe vorhanden waren, die Ziegel, Dachpfannen, Drainröhren und Deckensteine herstellten.

Haselberg:

Eigentümer Danielzick, dem auch eine Kunsttöpferei gehörte, 1900 erbaut, seit 1910 modern eingerichteter Dampfbetrieb mit einer Kapazität von 3 bis 4 Millionen, belieferte den nördlichen Teil des Kreises.

Kailen:

Eigentümer Kurt Balk, erbaut von seinem Vorbesitzer Unterberger Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts als Gutsziegelei, später Dampfbetrieb, belieferte den östlichen Teil des Kreises.

Schloßberg:

Eigentümer Stadt Schloßberg. 1916 von der Firma Bührer, Konstanz/Bodensee, gebaut, weil nicht genügend Ziegeln für den Wiederaufbau der Stadt beschafft werden konnten; Einrichtungen nach den modernsten Grundsätzen der Grobkeramik, künstliche Trocknung, eigene Stromerzeugung usw ; führend war das Ziegelwerk in der Provinz Ostpreußen mit eigenem Eisenbahnanschluß und großem Fuhrpark. Deshalb lieferte sie Ziegelmaterialien, insbesondere Vormauerungssteine, Drainröhren und graue Dachpfannen, auch in andere Kreise, Kapazität 11 bis 12 Millionen.

Spullen:

Eigentümer Walter Buechler 1899 als Gutsziegelei erbaut, jedoch bald als besonderer Industriebetrieb geführt und im Jahre 1910 als Dampfbetrieb eingerichtet, Anfang 1915 wurde die Ziegelei beim Russeneinfall teilweise vernichtet, 1916 durch die Firma Friedrich & Pfuntke, Breslau, wiederaufgebaut, mit einem Transporteur durch den ganzen Betrieb und zweistöckiger Lufttrocknung über dem Ofen modern eingerichtet, 1925 vom Dampfbetrieb auf Elektrizität umgestellt; Kapazität 3 bis 4 Millionen; belieferte den westlichen Teil des Kreises.

Kunst-Töpferei Danielczick in Haselberg

Kunst-Töpferei Danielczick links an der Schillfelder-Straße am Ortsausgang von Haselberg in Richtung Schillfelde;
Aufnahme 1937, Bildarchiv Werner Radtke
Lasdehner Keramik, Ausstellungsstücke der Schloßberger Heimatstube in Winsen, Bildarchiv Jörg Heidenreich, 2009

Aufstieg und Niedergang der Kunsttöpferei Danielczick in Lasdehnen, Kreis Pillkalten 1932-1945

Herr Dr. Konrad Murr, geb. 1931 in Wien, der aber zeitweise auch in Haselberg die Schulbank drückte, Neffe von Eva Hartmann, geb. Danielczick, stellt uns folgenden Bericht für den „Schloßberger Heimatbrief“ zur Verfügung[2]. Der Bericht ist im „Schloßberger Heimatbrief“ Nr. 47, Jahrgang 2009, Seite 40 bis 46 erschienen.

Eva Danielczick, die jüngste Tochter des Lasdehner Guts- und Ziegeleibesitzers Wilhelm Danielczick, gründete auf Basis der elterlichen Tongruben, im Jahre 1932 eine Werkstatt für Keramik-Waren.

Sie hatte die Töpferei in allen ihren Spielarten in Bunzlau[6]/Schlesien kennengelernt und sich dort auch das Handwerkliche der Töpferkunst angeeignet. Ihre Gesellenprüfung hatte sie vor einem Pillkaller Prüfungsausschuß abgelegt, später die Meisterprüfung in Dresden.

Außerdem erhielt sie Unterricht als Bildhauerin bei Prof. Arthur Steiner[7] in Königsberg. Sie war die erste Töpfermeisterin im Kreis Pillkallen. Ihre Keramikarbeiten waren bald in ganz Ostpreußen bekannt, begehrt und beliebt!

Zunächst wurde eine Werkstatt im Keller des elterlichen Gutshauses eingerichtet. Es entstanden kleine Gegenstände, meist kleine Vasen, Becher und Paartöpfe nach ostpreußischer Art sowie Töpfe und Schalen mit durchsichtiger Glasur, wobei der schöne rote Ton besonders gut zur Geltung kam. Ein Treffen der Salzburger in Gumbinnen bot Gelegenheit, die Erzeugnisse erstmalig anzubieten und das nicht ohne Erfolg, wie die Mitarbeiterin der ersten Jahre, Renate Horath, sich erinnert. Der nächste Erfolg stellte sich auf der Ostseemesse in Königsberg ein. Man sah in der Keramik aus Lasdehnen[8] eine Fortsetzung des Töpferhandwerks in Tolkemit[9], am Frischen Haff im Kreis Elbing gelegen, um das es still geworden war. Besonders die hellen Geschirre mit Kornblumenmuster waren gefragt.

Durch die Erfolge von Tochter Eva angeregt, errichtete Vater Wilhelm im Jahre 1935 für die Töpferei ein großes, repräsentatives Gebäude mit der weithin sichtbaren Inschrift: „Kunsttöpferei Danielczick, erbaut 1935", und einem großen Keramikrelief auf der Eingangsseite, einen Töpfer an der Töpferscheibe darstellend. Im Keller war die Aufbereitung des Tons sowie der untere Teil des großen Brennofens untergebracht. Gebrannt wurde mit großen Holzscheiten. So war es nicht ganz einfach, die erforderliche Brenntemperatur herzustellen. Ich entsinne mich noch deutlich der erwartungsvollen Blicke durch das Guckloch in der Wand aus Schamott-Steinen, mit denen der Ofen vor jedem Brand zugemauert wurde, auf die Segerkegel[10], die die richtige Brenntemperatur anzeigten. Im Erdgeschoss entstanden Büro- und Arbeitsräume mit mehreren Töpferscheiben, eine davon mit elektrischem Antrieb, um die beginnende Serienproduktion zu bewältigen: Im Obergeschoss befanden sich Lager- und Packräume sowie Zimmer mit Küche und Bad für drei Angestellte. Mancher Lasdehner kann sich vielleicht noch an die Töpferei-Besichtigung mit seiner Schulklasse erinnern.

Für die Ziegelei und die Tongewinnung war Evas Bruder Werner (gefallen 1941 in Russland) zuständig, der seine Ausbildung zum Ziegelei-Ingenieur an der Gewerbe-Hochschule in Köthen[11] (Anhalt) absolviert hatte. Er war der technische Berater der Töpferei. Die Abbaumethoden in ihren Anfängen schildert Eva Danielczick 1982 anschaulich in handschriftlichen Aufzeichnungen für ihre Enkel:

„Der Lehm wurde vom eigenen Acker abgebaut. Vater hatte große Teile Land dazu gepachtet. Es musste etwa zwei Spatenstiche tief Boden abgeräumt werden und darunter lag der beste Lehm bereit in einer Schicht von 5-10 Spatenstichen. Da lag ein Vorrat für 100 Jahre.
Bis zur Abbaustelle führte ein leicht zu verlegendes Geleis, auf dem zwei Loren von Pferden gezogen wurden. Der Lehm kam in große Erdlöcher (ich glaube, es waren 4), deren Seitenwände aus Brettern oder Beton bestanden, um den Lehm vor der Erde zu schützen. Hier wurde dem Lehm Sand beigemischt. Von Hand mit Spaten und durch Trampeln mit den Beinen war das Durcharbeiten der zähen Masse für die Männer Schwerstarbeit.
Ich erzähle das nur, damit ihr seht, wie primitiv alles noch war!"

Für Haselberg nennt das „Amtliche Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich" aufgrund einer 1939 durchgeführten Volkszählung eine Wohnbevölkerung von 2070 Personen. Seit 1945 steht für Haselberg/Lasdehnen der russische Ortsname Krasnoznamensk (Rote Fahne). Rund um den Ort gibt es ausgiebige Lehm- und Tonvorkommen eines roten Tons, der den Tonvorkommen in Cadinen[12] [13] am Frischen Haff sehr ähnlich ist. Er bildet die Grundlage der Ziegelei und Töpferei in Ostpreußen. Die Vorkommen verdanken ihre Entstehung geologischen Prozessen im Diluvium[14]. Die Rotfärbung ist durch den Eisengehalt zu erklären.

Eva Danielczick heiratete 1939 und zog nach Schwelm[15] in Westfalen, in die Heimat ihres Mannes. Die Töpferei wurde von zwei Keramikerinnen weitergeführt und 1942 von Frau Juscha Schneider-Döring[16] gepachtet, die sie bis zur kriegsbedingten Flucht 1944 betrieb. Sie hatte bereits 1939, frisch von der „Hamburger Hochschule für bildende Künste" ihrer Vaterstadt Hamburg kommend, die Töpferei bei einem Praktikum kennen gelernt. 1943 legte sie die Meisterprüfung vor der Handwerkskammer Königsberg ab. Anlässlich der Verleihung eines Kunsthandwerker-Preises im Jahre 1985 in Schleswig-Holstein bekannte sie: „Ostpreußen ist und bleibt meine große Liebe!"

Eine Freundin von Eva Danielczick aus gemeinsamer Ausbildungszeit in Bunzlau und spätere Mitarbeiterin in Lasdehnen, Renate Hohrath-Vesper[17] [18] , die wie Eva in Dresden ihre Meisterprüfung abgelegt hatte, gründete nach dem Krieg in Hagen in Westfalen eine eigene Töpferei, in der sie Keramik nach Lasdehner Art herstellte, darunter Vasen, Teller, Krüge und Kacheln mit ostpreußischen Städtewappen und Darstellungen der heimischen Tierwelt sowie Leuchterengel. Der Töpferspruch[19] von Will Vesper, den er einst der Tochter Renate für die Werkstatt in Lasdehnen schrieb, ist ihr als Leitmotiv immer noch teuer geblieben:

„Gott schütze das Land –
Ton, Scheibe und Brand –
Und meine Hand.“

In ihrer Töpferstube in Branderheide/Brande-Hörnerkirchen stellte Sigrid Petersen[20] Keramiken mit der Signierung „Lasdehner Art" her. Sie schreibt zu ihrer Arbeit in einem Brief: „Als ich 1976 meine Werkstatt eröffnete, kam eine ältere Ostpreußin zu mir und bat mich, ihr Lasdehner Kaffeeservice zu ergänzen, da einige Stücke auf der Flucht kaputt gegangen waren. Es gelang mir sehr gut und ich verliebte mich in das Kornblumenmuster!"

Heutzutage stellt Kerstin Weber[21] in ihrer Werkstatt in Werdohl/ Nordrhein-Westfalen Keramik nach Lasdehner Art her. Mit ihren Erzeugnissen ist sie auf den jährlich statt findenden Museumsmärkten des Ostpreußischen Landesmuseums[22] in Lüneburg regelmäßig vertreten.

Lasdehner Keramik

Ausstellungsstücke (alt sowie neu) der Schloßberger Heimatstube in Winsen, Bildarchiv Jörg Heidenreich, 2009.

Ein Haus im Wandel der Zeit

Kunsttöpferei Danielczick, Aufnahme 1937
Bildarchiv Werner Radtke
Kunsttöpferei Danielczick, Aufnahme 1943
Bildarchiv Eleonore Zimmermann
Kunsttöpferei Danielczick, Aufnahme 1991
Bildarchiv Eleonore Zimmermann
Kunsttöpferei Danielczick, Aufnahme 2005
Bildarchiv Eleonore Zimmermann
Kunsttöpferei Danielczick, Aufnahme 2014
Bildarchiv Eleonore Zimmermann

Fußnoten

  1. Schloßberger Heimatbrief, Redakteur Ch.-Jörn Heidenreich
  2. 2,0 2,1 Die Genehmigung für die Veröffentlichung des Berichtes in GenWiki im „Portal Pillkallen“ unter der Auflage der ausschließlich nicht-kommerziellen Nutzung liegt mir, Günther Kraemer, von der „Kreisgemeinschaft Schloßberg/Ostpr. e.V. in der Landsmannschaft Ostpreußen e.V., Rote-Kreuz-Straße 6, 21423 Winsen/Luhe“ schriftlich vom 19.03.2011 vor.
  3. Preußische Allgemeine Zeitung
  4. Einwohnerbuch Kreis Pillkallen 1930, Eintrag Seite 138 unter: Lasdehnen, Danielczik, Wilhelm, Ziegelei- und Gutsbesitzer (96 Hektar); -, Anna, Ehefrau; -, Eva, ohne Beruf
  5. Kreisadreßbuch Pillkalen 1937, Eintrag Seite 122 unter: Lasdehnen, Danielczick, Werner, Bauer, Selikatingenieur, Ziegelei und Zementwarenfabrik, Kunsttöpferei (100 Hektar), Schillehner Str. 22
  6. Artikel Bunzlau. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  7. Prof. Arthur Steiner
  8. | Keramik aus Lasdehnen
  9. | Tolkemit, die Kleine Stadt am Frischen Haff
  10. Artikel Segerkegel. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  11. Artikel Köthen_(Anhalt). In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  12. Artikel Kadyny. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  13. Cadiner Majolika – Keramikkunst am Frischen Haff
  14. Diluvium
  15. Artikel Schwelm. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
  16. Juscha Schneider-Döring
  17. Lasdehner Keramik, ab Seite 34 ff
  18. Schau über Renate Hohrath-Vesper
  19. Töpferspruch von Will Vesper aus: Lebendige Volkskunst Ostpreußen
  20. Das Ostpreußenblatt berichtet am 15. Juni 2002 - Folge 24 – Seite 11 über das „Deutschlandtreffen in Leipzig: Vielfältige Ausstellungen in Halle 3“:
    ... Einem anderen typisch ostpreußischen Naturprodukt rückt Sigrid Petersen zu Leibe. Für ihre Keramik nach Cadiner Vorbild bemüht sie sich, den Ton aus Cadinen zu bekommen. Die Ostpreußin aus Korschen, Kreis Rastenburg, die in Brande-Hörnerkirchen bei Hamburg die Töpferstube Branderheide betreibt, fertigt weiter Keramik nach Lasdehner Muster, Geschirr, Paartöpfe oder Fliesen. In Leipzig wird sie zeigen, wie die herrlichen Stücke dekoriert werden. ...
  21. Das Ostpreußenblatt berichtet in der Folge 11 vom 14.03.2009, auf der Seite 21, in dem Bericht: "Cadiner Rot oder Kornblumenmuster" über Kerstin Weber-Warschun
  22. Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg



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