Die Deutschen Personennamen/074

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Die Deutschen Personennamen
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des Evangeliums Schlafosta und Tuenixa. Ein Menge solcher Namen finden sich bei Musäus, in der Erzählung vom Grafen Gleichen. Hier wird ein Knappe gefragt, wie er heißt, und erwidert: „Springinsfeld grüßt mich die Welt. Ehrenwert heißt mein Schwert. Zeitvertreib nennt sich mein Weib. Spätestagt ruft sie die Magd. Schlechtundrecht nennt sich der Knecht. Sausewind tauf' ich mein Kind. Knochenfaul schelt' ich den Gaul. Sporenklang heißt sein Gang. Höllenschlund lock' ich den Hund. Wettermann kräht mein Hahn. Hüpfimstroh heißt mein Floh! Nun kennst du mich mit Weib und Kind Und allem meinem Hausgesind.“ Das Gedicht findet sich ganz ähnlich in des Knaben Wunderhorn.

Besonders die wilden Zeiten des Faustrechts und der Landsknechtskämpfe haben solche Namen in Menge hervorgebracht (S. 62). So heißt ein Fahrender Räum-es-land (das), ein anderer Such-en-wirt (den). So heißen bei Hugo von Trimberg um 1300 Schnapphähne Nimmervoll, Schind-en-gast (den), Leer-en-beu-tel, Füll-en-sack. Ein Raubritter heißt bei der Hätzlerin Durchden-busch (vgl. Zieten aus dem Busch). Ebenso wild klingen die von Tobler angeführten Würg-en-pauer (den), Zerr-en-mantel, das noch heute vorkommende Sengebusch, mit dem Tobler Sengewald vergleicht. Dieselbe Art kecker Erfindung zeigen die Namen, die er S. 177 als Namen von Landsknechten aus Zürich 1512 anführt: Schlag-in-haufen, Weitstich, Renninsfeld, Stichdenreuter. „Knebelbartfressige“ Namen nennt Fischart solche Namen im Gargantua.

Von Familiennamen dieser Art führe ich nur eine kleine Anzahl an: Haltaufderheide (1282 in Köln, ein Reisiger, der Vorüberziehenden auflauert), Schauinsland, Griep-en-kerl (niederd.: greif den Kerl), Heb-en-streit (hebe den Streit an), Jagemann (jage den Feind), Jag-en-teufel, Schlaginteufel (den), Schlag-int-weit (ins Weite), Hau-(en-)schild, zunächst wohl ein Kämpfer, aber bei Jecht heißt so ein Schmied; Haueisen bei Becker ein Schwertfeger 1359; vgl. das französische Taille-fer; Schick-Helm mache den Helm zurecht, gebildet wie unten Schicke-tanz und Schickfuß: „schicken“ heißt etwas ordnen oder rüsten, das Haus schicken, die Waffen, den Bogen, eine Reise; Schütt-en-helm (Grimm 2111); Schüttenspieß; Schütt-en-speer in Köln 1274; genau dasselbe bedeutet Shake-speare, schüttle den Spieß. Der letztere Name ist nach Elze S. 11, eine Art Spottname für die Speerträger der Grafen von Warwick.