Die Deutschen Personennamen/062

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Die Deutschen Personennamen
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4. Namen, hergenommen von Eigenschaften.

Man bezeichnet ferner jemanden nach einer hervorstechenden Eigentümlichkeit. Um uns das klarzumachen, brauchen wir nur an Regentennamen und ähnliche Bezeichnungen bis hinab zu den Spitznamen zu denken: Karl der Große, Otto der Faule, Johanna die Wahnsinnige. Oft wählt man Vergleiche: Christus nennt einen Jünger Petrus, den Felsen, Windthorst hieß scherzhaft Perle von Meppen. Wir vergleichen einen rohen Menschen mit einem Klotz (auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil), einem Flegel oder einem Bengel, was ursprünglich ein Prügel ist (ein Bauer sagt im Anfang von Goethes Götz: „Solange ich einen Bengel habe, fürchte ich ihre (der Reiter) Bratspieße nicht.“ S. 10). Hildebrand, der ursprüngliche Name Gregors VII., wandeln seine Gegner um in Höllenbrand.

Oft wird jemand nach einer Tätigkeit bezeichnet. Bei Storm heißt ein Mann, der oft Vormund gewesen ist, Carsten Curator, in Immermanns Oberhof der alte Leiermann „Patriotenkaspar“, weil er einst mit den „Patrioten“ mitgezogen war.

Die Erklärung der Familiennamen dieser Klasse ist oft schwierig. Es gibt viele so sonderbare, daß man schwer begreift, wie jemand einen solchen Namen annehmen, nochweniger, wie seine Nachkommen ihn fortführen konnten. Socin 460 und Reichert 125 erklären, es sei vergeblich, nach der Ursache dieses oder jenes Namens zu forschen; viele verdanken ihr Dasein offenbar einem plötzlichen Einfall des Augenblicks. Besonders eigentümliche Namen sind uns von Fahrenden, Landsknechten und ähnlichen unsteten Gesellen überliefert. Fahrende heißen Spervogel (Sperling), Freibank (der frei Denkende), Frauenlob, Freudenreich, Suchenwirt, Hoffetrunk, Elend. Mit erfundenen Namen nennt Hugo von Trimberg um 1300 drei Leute Nehmehard, Lügenhard, Trügenhard (S. 28) und von ähnlicher Art sind die Namen der Raubritter in dem Gedicht „Meier Helmbrecht“ 1250. Von Namen dieser Art sagt Götzinger 763: „In diesen Namen spiegelt sich das wildlaufende Treiben der letzten mittelalterlichen Periode, wo die Bande der Zucht gesprengt sind und der Willkür, der Laune und der Zuchtlosigkeit jeder Art die Welt offen stand; entstanden sind diese Namen im Lager der Landsknechte, auf den Raub- und Verwüstungszügen der Fürsten und Städte, im Gelage der Herberge.“