Geschichte der Pfarreien des Dekanates Grevenbroich/155

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Geschichte der Pfarreien des Dekanates Grevenbroich
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Erzdioecese Koeln 1883.djvu
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welche die Bestimmung haben, jene Ecken auszufüllen, die sich in den Winkeln zwischen den Chor= und Kreuzschiffausbauten ergeben. Von besonders vortrefflicher Wirkung ist die majestätische Thurmanlage, die nach Westen hin im Viereck sich an das Langschiff ansetzt und demselben einen organischen Abschluß verleiht. Ein mächtiges Radfenster erleuchtet von Westen her die innere Thurmwölbung, die nicht nur als Sängerraum, sondern auch zur Aufnahme eines nach beiden Seiten getheilten Orgelwerkes benutzt werden soll. Im dritten Geschoß setzt die Thurmanlage vom Viereck in's Achteck über. Um diese starke Verjüngung zu maskiren, hat der Architekt in constructiv richtiger Lösung die vier Seiten des zweiten Thurmgeschosses mit vier Thurmvorsprüngen flankirt, die der achteckigen Anlage des Glockenhauses nicht nur zur großen Zierde, sonder auch zur wesentlichen Stütze und Consolidirung dienen.

In die acht Giebel des Glockenhauses greift ferner ein schlanker Thurmhelm ein, der, mit Dachschiefer gedeckt, in seiner obern Spitze eine nochmalige Bekrönung von acht Ziergiebeln erfährt, bevor er mit einem wohlproportionirten Knauf abschließt, der von einem stattlichen Kreuz mit Hahn überragt ist.

Ueberschaut man die mächtige, in allen ihren Theilen wohl durchdachte, kühn gegliederte Thurmanlage, die bis zur Spitze die beträchtliche Höhe von 230 Fuß hat, so muß man sich freuen, daß das stattliche Bauwerk durch eine solche Thurmbekrönung einen homogenen Abschluß gefunden hat. Bei Beurtheilung der äußern constructiven Theile dieser Kirche, die zu besitzen jede größere Stadt des Rheinlandes sich zur Ehre rechnen könnte,. muß besonders darauf Gewicht gelegt werden, daß das Mauerwerk nicht nur mit großer Sorgfalt durchgeführt worden ist, sondern daß man auch den vorhandenen Tuff der alten Kirche strich= und lagerweise mit einem trefflichen gelblich gebrannten Ziegel hat abwechseln lassen, wodurch dem Bauwerke im Aeußern eine nobele, monumentale Farbe verliehen worden ist.

Die Höhe des Mittelschiffes beträgt 56 Fuß. Damit steht auch die Höhe und Breite der Nebenschiffe, die durch Rundfenster mit reichem Maßwerke erleuchtet werden, im richtigen Verhältnisse. Die Akustik im Innern ist eine durchaus gelungene.

Der Bau wurde in kaum zwei Jahren vollendet. Das Innere paßt zum Aeußern. Altäre, Kanzel, Beichtstühle, Bänke, Chorstühle - alles stilgerecht, wie aus einem Gusse. Ist das Orgelwerk beschafft, so dürfte kaum eine zweite Kirche in der Erzdiöcese gefunden werden, die in artistischer und liturgischer Beziehung mit einer solchen Consequenz innerlich und äußerlich durchgeführt worden ist, wie der neue Prachtbau in Gustorf.