Herforder Chronik (1910)/422

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Herforder Chronik (1910)
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1758

Als der Graf de Montmorency am 8. März diese Lebensmitteltaxe feststellen ließ, muß er auf ein noch längeres Verweilen in der Garnisonsstadt Herford gerechnet und die alarmierenden Gerüchte nicht hoch angeschlagen haben. Die nächsten 24 Stunden rüttelten ihn unsanft aus seiner Behaglichkeit. Da kam die Kunde, daß Herzog Ferdinand von Braunschweig die Weser überschritten habe und Minden von den Franzosen gesäubert sei; daß ferner ein ganzes flüchtendes französisches Armeekorps in der Nachbarschaft Herfords ein starkes Lager beziehen würde. Schleunigst ward den Bäckern aufgegeben, das Backen mit aller Macht heut und morgen fortzusetzen, damit die von Montmorency verlangten 10 000 Pfund Brot beim Einrücken jener Truppen zur Stelle wären, „weilen sonst das größte Unglück über der Stadt schwebet“. Auch ergeht an den Magistrat der Befehl, „zu Vermeidung allerhand Verwüstungen eine ganze quantité Brennholz“ für das Lager bereit zu halten und dazu „alles Holz so nur möglich“ zusammenzubringen, dazu auch aus dem Lippischen so viel Holz, als in der Eile zu haben, anzukaufen und anzufahren. Wie sich auch der Magistrat sperrte und die Unmöglichkeit der Erfüllung solcher Forderung betonte, weil außer vorrätigem Holz auch Arbeiter fehlten, um die Arbeiten des Holzfällens und Abfahrens zu verrichten, es wird nicht darauf geachtet. Der Befehl bleibt bestehen, und der Magistrat mochte zusehen, wie er ihn ausführte, wenn er nicht schlimme Ungelegenheiten auf die Stadt häufen wollte.

Bis dahin hatten die Herforder Truppen noch keinen Befehl zum Abzüge erhalten, vielleicht, weil sie den durchziehenden französischen Heeresteilen einen Rückhalt zu bieten bestimmt waren. Nach solcher Wendung der Dinge war ihnen jedoch der Ernst ihrer Lage nicht verborgen geblieben, weswegen mancher noch etwas für sich herauszuschlagen suchte. Unter ihnen sehen wir den uns durch seine Unverschämtheit bekannten Aide de camp Mr. l'Epinai, der seine Zeit für gekommen erachtete, auf Kosten der Herforder noch rasch seinen Beutel zu füllen. Er eröffnet dem Magistrat, daß, da er seither für das gemeine Beste und Wohl der Stadt und Bürgerschaft bei dem Herrn General, Grafen de Montmorency, das Wort geredet, und zu vielen guten ordres alles mögliche beigetragen, er erhoffen wolle, der Magistrat werde im Namen der Stadt réellement erkennen und ihm für solche Dienste ein tractement oder don gratuit (Trinkgeld), so wie es ja der Herr General und der Herr Major de Suzemont erhalten, ebenfalls zufließen lassen.

Um es kurz zu machen - man einigt sich mit ihm, und er erhält 100 Taler.


Immer näher heran ziehen die Wetterwolken, und wie Spreu vor dem Winde eilen die französischen Heere hinweg. Auf verschiedenen Wegen streben sie dem Rheine zu und reißen die Herforder Besatzung mit sich fort. Das war in den Tagen vom 13. bis 16. März. Und noch in letzter Stunde, am 15., kann es der französische Kriegskommissar Dureville nicht unterlassen, den Magistrat